Montag

LEERSTELLEN: Augsburg - nazifrei?

Die nächste Veranstaltung unserer Reihe Leerstellen steht an: 
Augsburg - nazifrei?


 Es scheint fast so. Die Zeiten, in denen Nazis zu Hunderten kontinuierlich durch die schwäbische Stadt marschierten, sind wohl vorbei. Die großen rechten Demonstrationen anlässlich der „Augsburger Bombennächte“ bleiben seit 2011 aus. Die NPD bzw. die Bürgerinitiative Ausländerstopp kann in Augsburg kaum Menschen mobilisieren.  
Also keine antifaschistische Arbeit mehr notwendig?

Fernab großer Aufmärsche haben sich weitere rechte Strukturen etabliert, so existiert neben der Alternative für Deutschland und deren Jugendorganisation auch eine Basisgruppe der Identitären Bewegung. Zudem organisieren immer wieder türkische Faschist*innen aus dem Umfeld der „Grauen Wölfe“ Veranstaltungen und Kundgebungen mit regem Zulauf. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Strukturen, Inhalte und Akteur*innen rechter Organisationen in Augsburg. Das Recherche Team Augsburg durchleuchtet Zusammenhänge in der rechten Szene der Stadt. Es verfolgt und dokumentiert deren Entwicklung über längere Zeiträume und schafft so Grundlagen für antifaschistische Theorie und Praxis.

Dieser Vortrag findet am Freitag, den 28.07.2017 ab 19.30 Uhr
in der Ganzen Bäckerei Augsburg, Frauentorstr. 34


Kommet zahlreich!

Samstag

Soli-Party Freitag den 30. Juni für Esther

Hallo Ich bin Esther.
Ich studiere Grundschullehramt an der Uni Auxburg und hab mich tierisch über die illegale Anwesenheitspflicht, die es in den meisten Grundschulpädagogik-Seminaren gibt, aufgeregt. Ich wollte eigentlich nicht wieder zurück in die Grundschule. Weil unsere Dozierende das leider anders sehen, und auch auf mehrfachen Mailhinweise nicht reagiert haben, bin ich bunt vermummt in ein Seminar spaziert, um die Anwesenheitsliste zu klauen.
Dafür hab ich eine Anklage wegen Hausfriedensbruch bekommen. Mit Hausdurchsuchung und dem ganzen Pipapo. Der ganze Spaß hat mich 600€ gekostet. Ziemlich uncool für eine Anwesenheitsliste die gar nicht existieren darf. Und Hausfriedensbruch in einem Seminar in dem ich selbst eingeschrieben war.
Die Hälfte des Geldes hab ich schon von der Roten Hilfe e.V. bekommen. Für den Rest gibt’s noch eine Soli-Party! Wir feiern gemeisam und der Gewinn geht für meine Anwaltskosten drauf.
Kommet in Scharen!

Für alle die schon früh da sind, gibt's um 19:30 eine  Übersicht, was passiert ist, wie ich als komplett unerfahrene Aktivistin gefühlt habe und wie man's nächstes Mal besser macht.
Das fancy Video unserer Aktion

Die Antwort der Unileitung: Einberufung einer Arbeitsgruppe Gefahrenabwehr an der Uni. Bisher hat diese aber noch nicht getagt. Hierdie Rundmail der Unileitung, man könnte fast glauben, es ging um einenTerroranschlag

ICH FREU MICH AUF EUCH! ANWESENHEIT ist PFLICHT!
Ich führe auch eine Liste :D

Esther


Lust auf FREI-GETRÄNKE? Kein Problem bring einfach eine originale Anwesenheitsliste aus der Uni mit. :D

PS: Ihr habt selber Stress mit Anwesenheitslisten und -kontrollen.
Findet das entmündigend und doof? Dann informiert euch hier!

Montag

Vortragsreihe: Die Identitären - "Neue Rechte" in Bewegung?


 Am Freitag, 16. Juni 2017 ab 19.30 Uhr findet der zweite Vortrag der Veranstaltungsreihe "Leerstellen" in der Ganzen Bäckerei zum Thema der Identitären Bewegung statt.

Die extreme Rechte sieht in Deutschland auf den ersten Blick häufig recht alt aus. Doch hat sich jenseits von Hakenkreuzrittern eine „Neue Rechte“ herausgebildet. Nicht in Parteiform, sondern als Bewegung, Strömung und als Organisationsgeflecht im vorpolitischen Raum. Neueste Erscheinungsform sind die „Identitären“, seit 2012 ein Import aus Frankreich. Diese treten unter Parolen wie „Tanz die Reconquista!“ oder „Multikulti wegbassen!“ an, um das Abendland zu verteidigen. Sie inszenieren sich als jung und hip, bleiben dabei aber völkisch. Sie geben sich dabei als NPD-fern, anti-extremistisch und ihre Begleitmusik kommt von „Frei.Wild“. Diese neue Form der extremen Rechten soll kritisch betrachtet und geklärt werden wie gefährlich die „Identitären“ in Deutschland derzeit sind. Fragen und Diskussion im Anschluss sind gewünscht.
Der Referent Lucius Teidelbaum ist freier Journalist, Publizist und Rechercheur zum Thema extreme Rechte. Von ihm erschienen u.a. im Unrast-Verlag drei Bücher: „Braunzone Bundeswehr. `Rechtsum´ in der Männertruppe“ (2012), „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“ (2013) und „PEGIDA. Die neue deutschnationale Welle auf der Straße“ (2016).

Das Thema ist wichtig - nicht nur weil diese "jugendliche"

rechtsradikale Gruppierung auch in Augsburg mehrfach aktiv geworden ist.

Treffen zum G20 Gipfel

Morgen, am 06.06.2017, findet um 18 Uhr ein Planungstreffen betrefflich der Fahrt nach Hamburg zum G20 Gipfel am 6./7./8. Juli statt. Der G20 Gipfel ist das Treffen der zwanzig wichtigsten Industrieländer - es sind sowohl deren Staats- und Regierungschefs als auch internationale Organisationen geladen. Gemeinsam stehen sie für Profitmaximierung, kapitalistische Ausbeutung, soziale Ausgrenzung und Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, Krieg und Flucht. Deswegen wollen auch wir ein Zeichen dagegen setzen und werden bei den Protesten in Hamburg dabei sein. In dem Treffen wird es um Anfahrt, Organisation und ähnliches gehen. Interessierte sind eingeladen, zu kommen und mitzuwirken. Bis morgen!

Mittwoch

Neue Veranstaltungsreihe "Leerstellen"



Am 12. Mai beginnt die neue Veranstaltungsreihe „Leerstellen“ in der Ganzen Bäckerei.



Das ganze startet mit einem Vortrag von Alia Sembol zum türkisch-nationalistischen Kollektiv der "Grauen Wölfe" um 19:30 Uhr in der Ganzen Bäckerei.

Politikwissenschaftlerin Alia Sembol stellt die Vereine in den Fokus,
die ein rechtsextrem- völkisch, rassistisches Türkentum als Ziel
formulieren. Sie gibt einen Überblick über die „Türkischen”
Ultranationalist*innen in Bayern, ihre Organisationen, ihre
Struktur und Aktivitäten.
Diese Vereine haben sich besonders der Pflege der Kultur, Religion,
Bildung und Sport verschrieben, um ihren Größenwahn in der türkischen Community zu erweitern und Kinder und Jugendliche an eine ultranationalistische Ideologie zu binden. Eine Arbeit, die antidemokratisch, antisemitisch und vor allem auf Diskriminierung aufgebaut ist. 
Mit Großreichphantasien, Militarismus, Feindbildern und religiösen Selbstzuschreibungen versetzt. Durch thematisch vielseitige Angebote für alle Altersgruppen bauen die Vereine an einer vermeintlichen “türkische Identität in der Fremde”, dem „Europa Türkentum“.

Die Recherche zum türkischen Ultranationalismus und der Umgang mit dem Thema stehen in Bayern noch am Anfang. Doch diese Auseinandersetzung ist notwendig und deshalb kann sie nicht ohne einen Diskurs über alltäglichen Rassismus und Ausgrenzung geführt werden.
Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus sind Denk-, und Handlungssysteme, die sich in allen Teilen der heutigen Gesellschaften finden, so auch in den deutschen- und zugewanderten-Communities.


Dies ist die erste Veranstaltung in der aktuellen Reihe "Leerstellen".
Alle Vorträge sind kostenfrei und werden unterstützt durch die GEW Augsburg und den Kurt-Eisner-Verein / Rosa Luxemburg Stiftung.


Kommet zahlreich!

Freitag

Sonntag 26. März 18 Uhr: Film "Das ist unser Haus"

Gemeineigentum - Selbstorganisation - Solidarität

Zwischenzeitlich ist eine Netzwerkstruktur von mehr als 100 Hausprojekten in Stadt und Land entstanden, um die Wohnungsfrage nach anderen Werten zu organisieren. Finanzschwache Gruppen können sich mit der Solidarität anderer ermächtigen und so bezahlbare Räume sichern. Deshalb wächst in immer mehr Köpfen das Interesse an dieser wichtigen Initiative aus der Zivilgesellschaft.
Die Mietshäusersynikat GmbH
Im 65 minütigen Film „Das ist unser Haus!” erläutern Akteure des Mietshäuser Syndikats das Modell der kollektiven Raumaneignung und präsentieren vielseitige Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Die Zuschauer werden motiviert, eigene Projekte im stabilen solidarischen Verbund des Mietshäuser Syndikats zu starten.
Der über Crowdfunding finanzierte Infofilm ist für alle, die ihre Stadt zurückerobern wollen, die ein mehr an bezahlbarem Lebens- und Arbeitsräumen wünschen, an Möglichkeiten für die Verwirklichung von Freiräumen interessiert sind und mehr Recht auf Stadt fordern
Es geht auch um den solidarischen Verbund des Mietshäuser Syndikats und damit auch um über 110 Projekte deutschlandweit, die aus ihren Visionen Projekte werden ließen. Eines dieser Projekte ist der Unser Haus e.V. aus Augsburg.
In Augsburg am Katzenstadel wurde das Syndikat aktiv und arbeitet an dem Traum vom selbstbestimmten Wohnen. Vom unabhängig sein vom Vermieter und vom Mietwahnsinn.

Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Beginn des Films um 18:30, anschließende Diskussion mit den Aktiven vom augsburger Hausprojekt "Unser Haus e.V."

Montag

Familienvater, Lehrer, AfD-Stadtrat - (K)ein Normalfall?!

Welchen Gedanken (oder ob überhaupt) die Redakteur*innen des Magazins "Augsburg direkt" sich darüber gemacht haben, die Stadtratsfraktion der Alternative für Deutschland als ganz normale Partei darzustellen, lässt das Gefühl von Entsetzen und Wut zurück.
Entsetzen darüber, dass der von der AfD proklamierte Rassismus, Sexiusmus und Sozialchauvinismus keinesfalls zum Normallfall erklären werden darf.

Die Partei, die vorgibt die Alternative zu sein, die die Stimme der Wahrheit zu sein glaubt, ist der parlamentarische Arm der Pegidabewegung und verstärkt den ohnehin schon in allen Gesellschaftsschichten präsenten Rassismus. Offensichtliche Wahrheiten und Fakten spielen für AfD keine Rolle, wie die jüngste Affäre um die angebliche Reisewarnung nach Schweden zeigt.

Um so schlimmer ist, der rechten Propaganda ein gutbürgerliches Gesicht zu geben, den netten Familienmenschen und Förderschullehrer zu präsentieren, der sich unablässig um die Belange der eigenen Partei bemüht. "Wie rührend?"
Aber nicht doch, damit machen sich die Herausgeber der "Augsburger Allgemeinen - Online" mitschuldig, der neurechter Hetze, am Aufheizen und Aufhetzen gegen Geflüchtete und drehen mit am Rad der Normalisierung der AfD und dem Verbreiten von "alternativen Fakten", "Fake News" oder wie man schlicht sagen würden: Lügen.

Die AfD ist keine normale Partei. Rassismus, der sich in Ausgrenzung nach offensichtlichen oder zugeschriebenen Merkmalen und die neoliberale Denkweise der Verwertungbarkeitslogik zeigen, werden niemals massentauglich werden. Dass es zum Sozialabbau, der Abschottung der Grenzen, eines brutalen Abschiebesystems und Umverteilung von unten nach oben, nicht der AfD bedarf, wissen im Grunde viele Mitmenschen, die aus Unzufriedenheit mit der neuliberalen Politik der Nullerjahre unzufrieden sind. Naiv ist es jedoch zu glauben, die AfD würde eine soziale Politik machen. Der genaue Blick ins Parteiprogramm zeigt, dass genau das Gegenteil zu erwarten ist: Einschränkungen und Privatisierung von Sozialleistungen, Erhöhung des Drucks auf Arbeitnehmer*innen, Politik nach dem Motto "Deutsche zuerst!" statt "Politik für den Menschen!"

Fallen Sie nicht drauf rein!
Lassen Sie auch von der Augsburger Allgemeinen keine rassistische Partei, als Alternative und schon garnicht den gutbürgerlichen Normalfall darstellen, sondern argumentieren und handeln Sie entscheiden gegen neurechte Bewegungen! #keinealternative

Dienstag

Veranstaltungshinweis "Zapfenstreich" 20. Februar - Weiße Lamm

Ein Aussteiger aus der Neonazi-Szene berichtet am 20.02. ab 19 Uhr im Weißen Lamm. Felix Benneckenstein berichtet außerdem über seine Bemühungen beim Aufbau der Aussteigerhilfe Bayern.
Kommt vorbei könnte ganz interessant werden, weitere Informationen unter: http://www.stadtzeitung.de/augsburg-city/lokales/ausstieg-aus-der-neonaziszene-bericht-eines-ex-neonazis-d21173.html

Sonntag

Die radikale Rechte in Bayern - Ein Beitrag von Robert Andreasch

Da aus organisatorischen Gründen es keinen Mitschnitt vom Vortrag "Von PEGIDA, AfD und „Drittem Weg“ - die radikale Rechte in Bayern" gibt, sei auf einen sehr interessanten Artikel, von Robert Andreasch verwiesen, der auch wesentliche Inhalte des Vortrags nochmal zusammenfasst.
Der Artikel mit Titel "Widerstansschritte" ist auf dem AiDA-Archiv zu finden. Eine absolute Leseempfehlung!
Der Artikel von Robert Andreasch wurde zuerst in der Zeitschrift „Lernen aus der Geschichte“ (LaG) veröffentlicht, deren Ausgabe 9/2016 im November unter dem Thema „Extreme Rechte und Möglichkeiten präventiver Bildungsarbeit“ erschienen ist.
Die radikale Rechte in der Bundesrepublik, zwei Jahre nach dem ersten PEGIDA-Spaziergang in Dresden. Ein Ein- und Ausblick von Robert Andreasch, veröffentlicht in: „Lernen aus der Geschichte“, 9/2016.
20. Oktober 2014: Beim ersten PEGIDA - („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) Marsch laufen rund 350 Menschen durch Dresden, am 12. Januar 2015 gehen dort fast 20 000 rechte Akteur_innen und „Wutbürger_innen“ auf die Straße. 13. März 2016: Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geben 23,1 Prozent der Wähler_innen ihre Stimme der „Alternative für Deutschland“ (AfD).
Das Reservoir derjenigen, die aktiv auf der Straße oder bei Wahlen für eine radikal rechte Politik eintreten, speist sich aus der Vielzahl von Menschen, die hier diesbezügliche Einstellungen teilen. Die „Leipziger Mitte-Studie 2016“ zeigt deutlich, wie groß der fruchtbare Nährboden beispielsweise für rassistische oder homophobe Propaganda ist: 41,4 Prozent der Befragten gaben an, Muslimen solle die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. 40,1 Prozent halten es für „ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen“ (Decker, Kiess, Brähler 2016).
Kittthemen
Die radikale Rechte in der Bundesrepublik ist eine ausdifferenzierte, dynamische, manchmal auch widersprüchliche Bewegung. Was sie aber eint, und das gilt für die „Alternative für Deutschland" bis zur neonazistischen Szene, für flüchtlingsfeindliche Bürgerinitiativen bis zu rechtsterroristischen Netzwerken gleichermaßen, sind die aufgegriffenen Thematiken. Das ist aktuell in erster Linie der auch in größeren Teilen der Bevölkerung geteilte, rassistische Hass auf Geflüchtete. Daneben haben sich auch die Abwertung Homosexueller, das Propagieren strikter Zweigeschlechtlichkeit oder das Einfordern stärkerer „nationaler Souveränität“ als „Kittthemen“ herausgeschält. Themen, die nicht nur die rechten Organisationen untereinander verbinden, sondern helfen sollen, die Kluft zwischen der radikalen Rechten einerseits und der Bevölkerung andererseits zu überbrücken.
Dramatisierung
Die Bewegung von rechts eint der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel in der Bundesrepublik. Die herkömmlichen politischen Akteur_innen sowie zunehmend auch Journalist_innen und Kulturschaffende werden als schädlich wahrgenommen („Volksverräter!“). Man inszeniert sich als Fundamentalopposition gegen das „System" („Merkel muss weg!“, „Nationaler Widerstand!“) und wähnt sich - in der apokalyptischen Übertreibung, die der deutschen Rechten seit jeher eigen ist - kurz vor dem „Bürgerkrieg" gegen die als die „Anderen“ konstruierten Feinde. Das unablässig selbst geschürte Gefühl einer angeblichen Bedrohung verschafft der rechten Bewegung schließlich eine kollektive Identität. Man führt den völkischen Kampf gegen den angeblichen „großen Austausch" der deutschen Bevölkerung oder zieht in den Kulturkampf gegen „Islamisierung“ und „Genderwahn“. Dass man das eigene, aggressive Handeln als „Widerstand“ oder „Selbstverteidigung“ darstellen kann, scheint dabei besonders attraktiv zu sein.
Protest
Vielleicht ist das alles gar nicht so neu. Weil die Gesellschaft aber nach rechts gerückt ist, ergeben sich für die radikale Rechte plötzlich mehr Spielräume und Handlungsmöglichkeiten. An mehr und mehr Orten trifft gewissermaßen ein rechtes Angebot nun auf eine Nachfrage. Nachdem ein rassistischer und antifeministischer Mob schon seit längerem in den sozialen Netzwerken oder den Kommentarspalten deutscher Tageszeitungen die Sau rauslässt, tritt die Bewegung von rechts nun mit unterschiedlichen Formen des Protests auch auf die Straße; versucht mit Infoständen, Kundgebungen, Aufmärschen und Patrouillen den öffentlichen Raum zu besetzen. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen auf Gegendemonstrant_innen oder Medienvertreter_innen. Die Teilnehmer_innen rassistischer Märsche vollziehen ihr „Freund-Feind“-Denken gewissermaßen auch formal: Um uns herum stehen nur Feinde; nur wir Versammelten folgen dem gesunden Menschenverstand; und weil wir das Volk sind, haben wir Recht. Für Argumente, Diskussion und Reflektion gibt es hier keine Chance. Nein, jetzt und sofort soll der behauptete „Bürgerwille“ (Grenzen schließen, Politiker_innen verhaften etc.) - unabhängig von institutionellen und legislativen Vorgaben - umgesetzt werden. Der „Protest“ und „Widerstand" von Bürger_innen ist hier zu einem komplett antidemokratischen Projekt geworden.
Organisationen
Es sind nicht mehr die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) oder ihre Konkurrenzparteien „Der dritte Weg“ und „Die Rechte“, die die Spitze der Bewegung bilden. Die Anhänger_innen neonazistischer Gruppen machen jedoch die Erfahrung, dass sie bei rassistischen Versammlungen oft selbstverständlich geduldet oder sogar eingebunden werden. Neonazis schließen sich mancherorts in männerbündischen „Bruderschaften“ und Hooligan-Bündnissen zusammen, die „Identitäre Bewegung“ versucht sich als attraktive, antimoderne Jugendopposition zu inszenieren. Versammlungen radikal rechter Initiativen wie PEGIDA dienen dann als Sammelbecken für die Akteur_innen der unterschiedlichen rassistischen Spektren, die sogenannten „Demos für Alle“ erfüllen den Zweck entsprechend für Homophobe und Antifeminist_innen. Als „Bewegungspartei“ gilt zunehmend die AfD. Viele ihrer Führungsfiguren versuchen, mit völkischer Hetze und reaktionärer Aufstandsrhetorik gegen die „etablierte Politik“ das Koordinatensystem noch weiter nach rechts zu verschieben.
Strategien
Neben den oft situativen, lokalen Mobilisierungen („Nein zum Heim!“) kann man in der radikalen Rechten auch die gezielte Entwicklung längerfristiger Strategien beobachten. Mit der Gründung der sogenannten „Bürgerinitiative Ein Prozent“ beispielsweise erhoffen sich rechte Aktivist_innen, zukünftig über einen finanziellen und organisatorischen Unterbau in Größe und Diskursmacht etwa von „Greenpeace“ zu verfügen. Für „Ein Prozent“ verfasste der bekannte neurechte Vordenker und PEGIDA Redner Götz Kubitschek vom sogenannten „Institut für Staatspolitik“ im sachsen-anhaltinischen Schnellroda im Herbst 2015 sogenannte „Widerstandsschritte“ - Handlungsanweisungen für die radikale Rechte in der aktuellen Situation. Grenzaktionen und „Massendemonstrationen“ à la PEGIDA waren die ersten Kapitel, später ging es dann um Straßenblockaden („um Asyltransporte an der Weiterfahrt zu hindern“) und - in einem Gastbeitrag - um „Spontandemonstrationen“, die bewusst nicht mehr bei den Behörden angemeldet werden. Der Chef der „Identitären Bewegung Österreich“, Martin Sellner (Wien), empfahl in einem Interview mit dem rassistischen „Compact“-Magazin im September 2016 der deutschen Rechten eine „Zuspitzung“ durch eine „Maidanisierung“, das heißt eine „Besetzung öffentlicher Räume durch die Opposition nach dem Vorbild der ukrainischen Hauptstadt im Winter 2013/2014“. In einem programmatischen Text „Wir werden Handeln“ rief wiederum Kubitschek im August 2016 seine Anhänger_innen auf, keinen Wert mehr auf „politische Klugheit“ zu legen. Von nun an sei ein offensives „Handeln“ das Maß aller Dinge: „Störe die Ordnung, um die Ordnung zu bewahren“.
Selbstermächtigung und Gewalt
Was heißt das, wenn ausgerechnet die staatsfixierte deutsche Rechte dazu aufruft, die Ordnung zu stören? Ihre Akteur_innen wollen offensichtlich „das Recht“ in die eigene Hand nehmen, um ihre eigenen Ordnungsvorstellungen durchzusetzen - was sie von den Behörden nicht mehr erwarten. Der Soziologe Matthias Quent hat am Beispiel rechter „Bürgerwehren“ darauf hingewiesen, dass hier ein „vigilantistischer“ Teil der Bewegung hervortritt, der sich selbst ermächtigt, unter Verletzung der Gesetze gegen Minderheiten vorzugehen. Die Gewalttäter_innen konstruierten „Ausnahmesituationen, aufgrund derer sie vermeintlich gezwungen sind, Gewalt bis hin zu Morden auszuüben“ (Quent 2016). Diese „Selbstermächtigung“ durchzieht längst die gesamte soziale Bewegung von rechts: Rassist_innen nehmen sich das Recht heraus, Menschen aus völkisch-nationalistischen Gründen zu diskriminieren. Aufgeheizte Wutbürger_innen übersetzen ihren Frust und ihren Hass zunehmend in politisches Handeln. Rassist_innen ermächtigen sich, Geflüchtete und ihre Unterkünfte anzugreifen. Im Jahr 2015 zählten allein die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt in den neuen Bundesländern, Berlin und Nordrhein-Westfalen über 1.700 rechte Gewalttaten mit über 2.000 direkt Betroffenen.
Ausblick
Das lässt für die kommende Zeit nichts Gutes erwarten. Vermutlich wird es bei der „sozialen Bewegung von rechts“ nach der zu beobachtenden Phase des Aufschwungs auch zu Abschwüngen und Phasen der Stagnation kommen. Doch das Gefühl eines eventuellen Scheiterns wird bei den militanten rechten Akteur_innen - genauso wie das gegenteilige Gefühl einer zunehmenden Unterstützung aus der Bevölkerung - letztlich zu einer weiteren Radikalisierung führen. Schon einmal, das könnte man aus den Jahren vor und nach dem sogenannten „Asylkompromiss“ zwischen SPD und CSU 1992/1993 lernen, hat in einem rassistischen Klima ein Wechselspiel zwischen neonazistischer Gewalt bzw. Brandanschlägen auf Geflüchtetenunterkünfte einerseits und rassistischen Entscheidungen der Politik andererseits die Entstehung neonazistischer Terrorstrukturen wie dem späteren NSU-Netzwerk befördert.

Donnerstag

Faschingstreiben am Freitag den 24. Februar

Kollaria, der Fasching is da!

Wir laden zum lustigen Vereinsabend ab 21 Uhr - pünktlich zur fünften Jahreszeit bitten DJane Domenica und DJ Alte Socke am rußigen Freitag zum Tanz.

Smoothe musikalische Untermalung, festlich geschmückter Raum und umgängliche Menschen bieten Gelegenheit zum Entspannen in geselliger Atmosphäre. Dementsprechende (Ver)Kleidung ist erwünscht, jedoch selbstverständlich keine unbedingte Voraussetzung.